“Von Wilhelm Pieck bis Angela”

Ein Hochgenuss: In Gesang und Wort begeisterten Klaus Hohlbein (r.) und Wilfried Eiselt als Adolf und Friedchen, Breitenworbis. (tlz) So alt wie der Breitenworbiser Karneval ist, so viele Jahre zählt auch er: der Baron von “Witzenbattern”. Lange hatten ihn die Narren und Närrinnen des Ortes nicht mehr in der Bütt gesehen. Doch am Samstag strapazierte er beim zweiten Büttenabend des Batterschen Carnevalclubs (BCC) wieder die Lachmuskeln des Breitenworbiser Faschingspublikums. Seit 55 Jahren besteht die Faschingstradition in diesem Jahr, “was uns Grund zum Feiern gibt”, steckte der Präsident Frank Wilhelm die Marschroute für die kommenden Wochen bereits auf der Premierensitzung 2007 ab. Getreu dem Motto “55 lange Jahr – von Wilhelm Pieck bis Angela”, waren die Akteure des Abends in Wort und Sang nicht verlegen, Politik, den ein oder anderen Skandal des vergangenen Jahres und noch mehr aufs Korn zu nehmen. Und so erkannte der Baron von Witzenbattern, alias Karl Frixel, dass er seinen Ruhestand sicher nicht im Altersheim erleben, sondern lieber auf dem Kreuzfahrtschiff Aida verbringen möchte. “Da lebe ich 50 Euro pro Tag billiger”, rechnete er im wieder ausverkauften Gemeindehaus vor – der Gesundheitspolitik sei es gedankt. Aus einer ganz anderen Welt, aber mit ähnlichen Meinungen, kehrten die “Yedi-Ritter” zurück nach Breitenworbis. Lothar Buchhardt, Gerhardt Kohl und Albrecht Fischer (Hendrik Winter) hatten erkannt: Die Politiker sind einem Größenwahn verfallen, sei es der Steuerwahn der Bundeskanzlerin oder der Luxuswahn des Ministerpräsidenten – zwei große Limousinen würden es zeigen.

Doch auch flott auf den Beinen präsentierten sich die Aktiven ihrem begeisterten Publikum. Das Ballett “Fünkchen” zeigte zum Hit “Black or White” eine Vorstellung mit artistischen Tanzeinlagen. “Das alles haben die sechs Mädels ohne Hilfe einstudiert”, lobte Wilhelm die Nachwuchstänzerinnen, die dem Funken-Ballett unter Leitung von Manuela Schmidt in nichts nachstanden.

Überhaupt war jeder Büttenredner, Tänzer und Sänger auch am Samstag wieder eine Attraktion für sich. Die Vielfalt des Dargebotenen übertraf die Vorstellungskraft so einiger im Publikum. “Ich bin überrascht vom ganzen Einfallsreichtum”, war Wilhelm am Ende voll des Lobes und wird es wohl noch weitere drei Mal in diesem Jahr – und zur Hoffnung der zahlreichen Jecken im Ort auch in den kommenden Jahren – sein dürfen. Denn genauso oft laden die Jecken des BCC – ihm zu gratulieren waren auch die Karnevalisten aus der Nachbarstadt Worbis am Samstag gekommen – noch zu ihren Büttenabenden. Und geht es beim BCC in dieser Vielfalt weiter, werden “Friedchen und Adolf” (Klaus Hohlbein und Wilfried Eiselt), die in ihrem Beitrag u.a. erkannten, dass es bergab geht, wo man hingeht, widerlegt. Denn weiterhin für Furore wird der 70 Mitglieder zählende Verein in der Eichsfelder Karnevalsszene sorgen, in der sich die Breitenworbiser als eine der Hochburgen etabliert haben.

TLZ 28.01.2007 Von Fabian Klaus