Mit spitzer Zunge ins Jubiläum

Batterscher Karneval feiert 55-jahriges Bestehen / Festumzug soll Höhepunkt werden

In vielen Breitenworbiser Garagen wird derzeit eifrig gebaut und geplant, gebastelt und getüftelt. Bis zum 18. Februar ist noch einiges zu tun.Dann soll ein bunter Wagentross durch die Gemeinde rollen. Anlass ist, wie regelmäßig alle fünf Jahre begangen, der Geburtstag des Breitenworbiser Carneval Vereins. Der BCC feiert in diesem Jahr sein 55-jahriges Bestehen. Und begonnen hat vor 55 Jahren auch alles mit einem Umzug.

Von Claudia NOLTE

BREITENWORBIS.
Es war 1952, als sich in Breitenworbis die ersten Frohnaturen formierten, um einen Rosenmontagszug durch den Ort zu planen. Von dem bunten Treiben ließ sich ein Mann begeistern, der schnell zum aktiven Förderer und ersten Elferratspräsidenten von Battem wurde. Dr. Michael Hennes führte von da an die Geschicke des Vereins. Eine neue Tradition war geboren, auch wenn die Anfangsjahre nicht leicht waren. Trotz der schwierigen Umstände Anfang der 1950er-Jahre entwickelte sich schon die Saison 1953/54 zu einem Jahreshöhepunkt in der Gemeinde. Maßgeblichen Anteil daran hatten das Prinzenpaar Maximilian I. und Karin I., das bei zahlreichen begeisternden Büttensitzungen den Vorsitz hatte und auch den ersten großen Rosenmontagszug anführte.

Aus Berichten der damaligen Zeit ist bekannt, dass mancher Kamevalsfreund sogar bis zu 20 Kilometer Fußmarsch auf sich nahm, um die Umzüge zu bestaunen. Doch auch mit ihren Elferratssitzungen machten sich die Schnallenköppe schon in den Anfangsjahren einen Namen. Von 1957 bis 1963 gab es in Anbetracht des Kalten Krieges nur Frohsinn auf Sparflamme. Ab 1964 aber blühte der Battersche Karneval erneut auf. Das Narrenvolk schrieb sich See- und auch Raumfahrt, das Zooleben oder das wilde Treiben in der Räuberhöhle auf die Fahnen. Karneval etablierte sich als fester Bestandteil im Gemeindeleben.

Einen markanten Entwicklungsschub markiert das Jahr 1975. in dem Paul Wand zum Präsidenten des Vereins gewählt wurde. Er sollte insgesamt 27 Jahre lang die Geschicke des BCC leiten, und in dieser Zeit entwickelte sich die fünfte Jahreszeit in Breitenworbis zum kritischen Politkarneval. Die geistigen Seitenhiebe, meist im Grenzbereich der staatlichen Überwachung, wurden vom Publikum mit tosendem Beifall belohnt. Eintrittskarten gab es damals nur noch von Hand zu Hand. Diese Entwicklung der Batterschen Programmgestaltung fand in den Jahren vor der Wende ihren Ausdruck in politsatirischen Saisontiteln wie „Battem – eine bleibende Festung” (1983), „Wir lassen uns das Klima nicht vermiesen” (1985), „Vorsicht, frisch gestrichen” (1986), „Battersche Spitzen-Technologen” (1987) sowie „Lasst uns leben” (1989).

 TA25.1.07-1TA25.1.07-2TA25.1.07-3NÄRRISCHES URGESTEIN: Mit tollen Programmen begeisterten die Batterschen
Kamevalisten stets ihr Publikum. Für Stimmung sorgten unter anderem die Hofsänger.


Auch wenn es damals oft schwer war, das eigene Programm gegenüber staatlichen Kontrolleuren durchzuboxen, muss mancher Akteur eingestehen, dass es in der Folge selten so leicht war, Zündstoff für das satirische Feuerwerk zu finden. Seit Mauerfall und Wiedervereinigung galt es, unter den veränderten Bedingungen das hart erarbeitete Image des Vereins als politsatirische Hochburg weiterzuentwickeln. 1991 riefen die Batterschen das Motto „Von der Sichel unter’n Hammer” aus. 1995 hieß es kurz und knapp „Wieder verwählt” und 1998 warnten sie Freunde und Kritiker: „Vorsicht, bissiger Mund”. Die lang ersehnte Sanierung des Gemeindesaals brachte 1998 dem BCC und seinem treuen Publikum beste Rahmenbedingungen für das Kamevalfeiern in der Batterschen Narrhalla. Ein Prinzenpaar gibt es heute nicht mehr, treu geblieben ist dem Verein aber die Galionsfigur des Batterschen Karneval, der Schnallenkopp, stets gemimt von Helmut Grimm. Und seit sechs Jahren ist die Faschingszeit um einen weiteren Höhepunkt reicher. Die Frauen haben sich ihr Refugium erkämpft, übernehmen zum Weiberfasching Saal, Elferratsplätze und Butt und stehen ihren männlichen Kollegen in Sachen satirischer Bissigkeit und humoristischem Talent in nichts mehr nach.

Den bis jetzt letzten großen Umzug gestalteten die Breitenworbiser im Jubiläumsjahr 2002. Zum 50. Geburtstag des Vereins endete auch die 27 jährige Präsidentschaft von Paul Wand. Unter dem Motto „Neue Besen kehren heiter weiter” führt nun seit 2003 Frank Wilhelm den BCC an. In diesem Jahr zieht der Verein unter dem Motto „55 lange Jahr von Wilhelm Pieck bis Angela” eine Bilanz des Jubiläumsjahres mit der Schnapszahl. Mit insgesamt fünf Sitzungen und dazu Kinder-, Senioren- und Weiberfasching haben die Batterschen Narren zum Jubiläum wieder einen vollen Terminkalender. Höhepunkt, soll aber der Festumzug am 18. Februar sein. 40 Wagen sind bereits gemeldet, und man darf gespannt sein, was die Narren kommentieren.

TA 25.01.2007