Karneval in Battern: Je oller – je doller

EICHSFELD. Eigentlich dienen Schirme beim Faschingsumzug dazu, die Kamellen besser auffangen zu können. Gestern aber mussten die Bonbons von der Straße aufgelesen werden, denn die Schirme blieben oben. Aber die Akteure und Zuschauer der Umzüge in Breitenworbis hielten tapfer durch, riefen ihr “Helau” und ließen sich die Stimmung von Wind und Regen nicht vermiesen. Schließlich waren wochenlang sämtliche Toreinfahrten im Dorf mit Karnevalswagen blockiert gewesen. Und dieser Aufwand musste sich doch lohnen.
Gut 70 Bilder waren in Breitenworbis beim Jubiläumsumzug zu bestaunen. Der Elferrat des Batterschen Carnevalclubs fuhr in einem Wa(h)lfänger durchs Dorf. Vorweg die Geburtstagstorte zum 50. mit der Aufschrift “Je oller – Je doller”. Der BCC lud in einem riesigen Flugzeug zur Traumreise ins All ein. Flüge starten täglich vom Landeplatz der A 38, witzelten die Breitenworbiser über den Piloten, der hier kürzlich landete. Als dankbares Thema erwies sich auch die Pisa-Studie. Der schiefe Turm tauchte im Umzug gleich zweimal auf. Nicht ungeschoren blieb der “Abzockerverband” Wipper-Ohne wegen seiner “Regensteuer”. Die Breitenworbiser machten sich Gedanken, wie noch mehr Geld zu holen ist und gründeten den Batterschen Frischluft-Zweckverband. Ein Teufelswerk sehen sie in dem geplanten Höllbergtunnel, eines der schwierigsten Bauwerke für die neue Autobahn.
Einen vergleichbaren Umzug habe es zuletzt 1955 gegeben, bilanzierte BCC-Vereinschronist Manfred Winter. Der damalige Dorfarzt und Karnevalspräsident Dr. Michael Hennes habe die Eichsfelder für die karnevalistische Idee begeistern können. Und außerdem hätten sie nach dem Krieg Nachholebedarf in Sachen Lebensfreude gehabt. Ende der 70er Jahre begann in Battern die Ära des politischen Karneval. “Die vielen Versuche, uns gleichzuschalten, schlugen fehl”, so Winter. Maßregelungen jeglicher Art seien unter “närrischer Antifikation der Kontrameduse” abgetan worden. Man sei unabhängig geblieben und habe kurioserweise Mitte der 80er Jahre sogar eine Auszeichnung als “Hervorragendes Volkskunstkollektiv” erhalten, schmunzelte Winter.
Natalie HÜNGER
11.02.2002