Beziehungswahnsinn und Ukraine-Krise beim Karneval in Breitenworbis

Breitenworbis (Eichsfeld). Zum Höhepunkt der aktuellen Karnevalssaison hatte der Battersche Carneval Club 1952 am Samstagabend zur zweiten Festsitzung in den Berliner Hof geladen, und die Breitenworbiser waren, wenn auch unkostümiert, dieser Einladung zahlreich gefolgt.15-02-19-1

Bereits der Einmarsch des Elferrats und der Garde waren sehr originell gestaltet, indem drinnen zuerst Videosequenzen der draußen aus einem Fahrzeug aussteigenden Mitglieder gezeigt wurden und diese dann kurz darauf höchstpersönlich einmarschierten. Für die passende Musik sorgte dabei die Band “Feeling”. Im Laufe des Abends zeigten sich die Breitenworbiser sehr sangesfreudig, auf der Bühne unterstützt durch die Batterschen Jungs beziehungsweise das Duo “Streikposten”, das über die Lokalhymne, in welcher Battern als Lebensgefühl dargestellt wird, bis hin zu Trinkliedern, Karnevalsschlagern und Schunkelmusik die ganze Palette der Stimmungsmusik abdeckten manchmal derb, aber immer humorvoll.

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In Breitenworbis gab es nicht nur etwas für die Augen, sondern auch für die Ohren. Foto: Tobias Schulz

 

Auch toll choreographierte Tanzshows waren zu sehen, und natürlich fehlte auch der traditionelle Tanz der Prinzengarde nicht. Dazu gab es unterhaltsame Sketche, so zum Beispiel vom weiblichen Duett “Frauenquote”, wo über Intimrasur, Frauenarztbesuche, Tätowierungen bis hin zum alltäglichen Beziehungswahnsinn nichts ausgespart wurde. Bei den Sketchen kamen auch die Nachbarn aus Kirchworbis nicht ungeschoren davon, so unter anderem als die Rede von einem Kirchworbiser auf dem Mond ein Rätsel, dagegen von allen Kirchworbisern auf dem Mond die Lösung war. Auch das Trio “Die Mönche” gab eine humorvolle Einlage mit Seitenhieben allerdings auf das religiöse Leben und die Geistlichkeit. Ein besonderer Höhepunkt war ein modernes “Krippenspiel”, bei dem statt der Heiligen Drei Könige Angela Merkel , Wladimir Putin und Bischof Tebartz van Elst auftauchten und statt Weihrauch, Gold und Myrrhe überteuertes russisches Gas und Eichsfelder Gehacktesbrote dabei hatten. Auf humorvolle Art und Weise setzte man sich hier mit ernsten Themen, speziell der Ukraine-Krise auseinander. Sehr eindrucksvoll wurde dies durch einen Engel, der die Opfer des über der Ukraine abgeschossenen Passagierflugzeugs MH 17 symbolisierte, und bei aller Heiterkeit bei dem einen oder anderen auch für kurze nachdenkliche Momente sorgte.

 

Der Battersche Karneval präsentierte sich dieses Jahr durchaus politisch, griff viele gesellschaftliche Themen auf, genau so wie lokalen Zwist um Schnitzelpreise beim Weiberfasching. Er war trotz allem immer unterhaltsam. Der Battersche Carneval Club hat derzeit zirka 80 aktive Mitglieder, von denen einige langjährige Karnevalisten während der Sitzung auch mit einem Orden geehrt wurden. Den Vorsitz hat derzeit Rüdiger Wieg inne.

Tobias Schulz / Rene Weißbach
19.02.15 / TA